Südzucker
Als Anfang 2007 bekannt wurde, dass Südzucker das Werk in Groß-Gerau schließen und komplett platt machen würde, war das Entsetzen groß. Nicht nur, das ein traditionsreiches, in der Region stark verwurzeltes Unternehmen verschwinden, sondern auch die Art und Weise, wie das geschehen sollte, verursachte bei Vielen nur noch ein Kopfschütteln.
Dass für die 110 Beschäftigten die Angelegenheit nicht in einer Katastrophe endete, ist dem Betriebsrat von Südzucker Groß-Gerau und der Gewerkschaft NGG, Region Darmstadt & Mainz, zu verdanken.
Hier nun haben wir die Ereignisse chronologisch zusammengefasst.
Anfang 2007
Durch die Printmedien wurde bekannt das Südzucker offensichtlich die Schließung zweier Standorte plant.
März 2007
Der Vorstand bestätigt die Schließungsabsicht. Der GBR oder die betroffenen Betriebsräte waren bis zu diesem Zeitpunkt nicht informiert.
April 2007
Betriebsrat und NGG werden informiert, dass zwei Werke, Regensburg und Groß Gerau, aufgrund der neuen europäischen Zuckerordnung geschlossen werden sollen, vorbehaltlich der Zustimmung des Aufsichtrates.
NGG und Betriebsrat schalten die Öffentlichkeit und die Landespolitik ein.
Mai 2007
Anlässlich einer von der NGG verlangten Sondersitzung des Aufsichtsrates, demonstrieren am 22. Mai 2007 über 1000 Beschäftigte von Südzucker in Mannheim gegen die Werkschließungspläne des Vorstandes.
Der Aufsichtsrat beschließt mit der Stimme des leitenden Angestellten, gegen die Stimmen aller Arbeitnehmer und NGG-Vertreter den Schließungsplänen zuzustimmen.
NGG und Betriebsrat beschließen die Errichtung einer Arbeits- und Verhandlungsgruppe mit dem Ziel den Standort zu erhalten.
Unter Einbeziehung der TBS (Technologische Beratungsstelle) werden eine Reihe von Alternativen erarbeitet für eine Nachfolgeproduktion.
Aufgrund der hohen europäischen Förderung, die nur im Falle einer Werksschließung und kompletter Demontage zu 100 % fließt, werden alle Alternativen vom Vorstand abgelehnt.
NGG und Betriebsrat nehmen parallele Sozialplanverhandlungen auf.
Einschaltung der Kreis-, Bundes- und Europaabgeordneten aller Parteien, mit der Bitte, auf eine Abänderung der europäischen Zuckerordnung insoweit hinzuwirken, dass die volle Förderung auch bei alternativer Weiternutzung der Anlagen gezahlt wird.
Juni 2007
Durch die Aktivitäten der Abgeordneten Gerold Reichenbach (MDB / SPD), Gustav Herzog (MDB / SPD) und Udo Bullmann (MdEP) kann für den 23.06.2007 ein Termin im Landwirtschaftsministerium in Berlin mit dem zuständigen Staatssekretär erreicht werden, entsprechende Unterstützung wird zugesagt.
Ein Investor aus dem Energiesektor ist bereit am Standort Groß Gerau zu investieren und einen Teil der vorhandenen Anlagen zu übernehmen.
Am 11.07.2007 finden an allen Südzuckerstandorten außerordentliche Betriebsversammlungen statt, um über den Stand der Gespräche zu informieren, aber auch um die schwierigen Sozialplanverhandlungen entsprechend zu begleiten.
Die zuständige EU Kommissarin lehnt eine mögliche Änderung der Zuckerordnung unter dem Hinweis ab, das dies bereits auch in anderen Ländern so durchgeführt wurde. Dementsprechend gibt es nur für eine vollständige Demontage der Anlagen 100 % EU Förderung. Bei einer alternativen Weiterproduktion, die nichts mit Zucker zu tun hat, gibt es nur 75%. Dies bedeutet für Südzucker rund 40 Millionen € weniger Förderung oder für den Investor 40 Millionen € Ausgleich an Südzucker plus erforderliches Investment plus Kaufpreis. Der Investor zieht seine Pläne zurück.
August 2007
Am 09.08.2007, nach 12 harten Verhandlungsrunden, konnte mit Südzucker ein Sozialplan vereinbart werden, der unter anderem den Einsatz einer Transfergesellschaft vorsieht.
Die wichtigsten Punkte im Einzelnen:
Februar 2008
Am 29.02.2008 schloss das traditionsreiche Zuckerwerk Groß Gerau endgültig seine Pforten
Mit Stand zum 01.08.2008 konnte die Transfergesellschaft Mypegasus melden, das bereits 50 % der ehemaligen Südzuckermitarbeiter wieder in neue Beschäftigungsverhältnisse vermittelt werden konnten.